Kategorie-Archiv: PRESSESPIEGEL

SOLINGER TAGEBLATT AM MONTAG, DEN 13. JULI 2015

Zu Besuch im „Hummel-Hotel“ von Angela Ernst

Interessierte durften in den 400 Quadratmeter großen Gartentraum eintreten und bewundern, was die Gartenarchitektin geschaffen hat.

Von Lorraine Dindas

Ein kleines Paradies für Mensch, Tier und Pflanze – das hat Angela Ernst mit ihrem zu Hause geschaffen. Die Diplom-Ingenieurin für Landespflege teilte am Wochenende bereits zum zweiten Mal ihren etwa 400 Quadratmeter großen Gartentraum mit Interessierten bei der Aktion „Offene Gartenpforte“.

Bereits am Eingang zum Garten wird man von den verschiedensten Blumenarten und einem Aprikosenbaum begrüßt. Feigen, Kiwis, Weintrauben und Jostabeeren werden aber auch gepflückt. In der Mehrzahl befinden sich allerdings die Stauden, über 900 gibt es in der Oase zu entdecken. „Stauden sind Pflanzen, die im Frühjahr blühen und sich im Herbst wieder zurück ziehen“, erklärt Angela Ernst. Nach gerade mal zwei Stunden begutachteten schon über 30 Interessierte Angela Ernsts Garten und trugen sich anschließend im Gästebuch ein. So auch Ingrid Adelt aus Hattingen. Mit ihrem Mann Frank wollte sie erst einen anderen Garten besuchen und fand spontan hierher.

Aprikosenbaum   Copyright Daniela Tobias

Aprikosenbaum
Copyright Daniela Tobias

„Mir gefällt vor allem die Blumenwiese, die musste ich mir unbedingt ansehen. Alles ist sehr schön gestaltet und meisterlich komponiert“, schwärmt die 66- Jährige. Jahrelange Arbeit steckt in dem Pflanzenparadies, dieses musste auch schon einen Umzug bestehen. „Ich habe jede einzelne Pflanze ausgegraben und hier wieder eingesetzt.“ Die lila Hosta, auch Herzblattlilie genannt, ist bereits 15 Jahre alt. „Mein Mann hat dieses Haus entworfen, er ist Hochbauarchitekt. Meine Forderung war, dass ich von jedem Zimmer aus in den Garten blicken kann.“

Blick zur Terrasse Copyright Daniela Tobias

Blick zur Terrasse
Copyright Daniela Tobias

Und das kann Angela Ernst, sogar von der Badewanne aus. Täglich verbringt sie etwa sechs Stunden mit der Gartenarbeit. „Im Sommer kann man die Blütenpracht genießen und muss nur Gießen und Unkraut jäten. Im Frühjahr und Herbst fällt mehr Arbeit an.“ Für Menschen ohne grünen Daumen hat sie einen Tipp: „Kakteen und Grünlilien eignen sich gut als Wohnungspflanzen. Die müssen selten mit Wasser begossen werden und entwickeln sich von alleine.“

Auf der Terrasse Copyright Daniela Tobias

Auf der Terrasse
Copyright Daniela Tobias

Um sich vor Ungeziefer wie Blattläusen zu schützen, nutzt die 61-Jährige Mutter Natur. „Überall wo ich Blattläuse entdecke, hänge ich einen Meisenknödel hin. Die Vögel futtern das Ungeziefer dann als Nachtisch.“ Die Gartenfreundin liebt aber nicht nur ihre Pflanzen, sondern auch jegliche Arten von Tieren. „Unsere Blumenwiese nenne ich auch gerne Bienen-Restaurant und Hummel-Hotel.“ Denn die Hummeln schlafen nachts auf den Blüten ihrer Blumen. Diesen Anblick findet Angela Ernst besonders schön und hat diesen mit Fotos auf ihren Online-Blog festgehalten: gartenblog-staudentraum.de.

Blick zur Blumenwiese Copyright Daniela Tobias

Blick zur Blumenwiese
Copyright Daniela Tobias

Aber auch kriechende Lebewesen suchen den Weg zur Gartenliebhaberin. „Jeden Abend hüpft eine Kröte in mein Schlafzimmer, ich habe sie Kröti getauft.“ Aber auch Eichhörnchen und Mäuse genießen die Vorzüge des Gartentraums. Die Profi-Gärtnerin hat ihren Garten nicht nur für sich, sondern auch für die Natur gestaltet, um etwas für die Umwelt zu tun. „Wenn es nach mir ginge, und ich nicht Angela Ernst, sondern Merkel hieße, würde ich noch viel mehr in Richtung Umweltschutz machen“, sagt sie überzeugend.

SOLINGER MORGENPOST AM DIENSTAG, DEN 14. JULI 2015

Solingen

Ein Stück Adria am Rande von Merscheid

Solingen. Zur Offenen Gartenpforte lud die Merscheiderin Angela Ernst in ihren Garten ein, in dem sie sich ihren ganz persönlichen Staudentraum erfüllt hat. Von Maxine Herder

Es ist ein kleines Paradies, das sich Angela Ernst gleich hinter ihrem Haus geschaffen hat: Mehr als 80 verschiedene Staudenarten wachsen hier, hinzu kommen rund ein dutzend Gräser, ein kleiner Naschgarten mit Feigen, Kiwis und Wein und jener Bereich unweit des Gartentors, den Angela Ernst als “Filetstück” ihres Gartens beschreibt – die große Wildblumenwiese, in der es bei strahlendem Sonnenschein summt und zirpt, flattert und schwirrt. “Ich wollte ein Paradies für Mensch und Tier schaffen, das war mir wichtig”, sagt die 61-Jährige, die zur Offenen Gartenpforte am vergangenen Wochenende zur Besichtigung ihres in allen Farben blühenden Kleinods in Merscheid eingeladen hat.

Offene Gartenpforte

Offene Gartenpforte

FOTO: Martin Kempner
Vor sechs Jahren hat die Garten- und Landschaftsarchitektin Angela Ernst (r.) ihren Staudengarten angelegt. Besucherin Michaela Gehlen ist von den üppigen Blütenpracht begeistert.

Vor sechs Jahren hat sich die Garten- und Landschaftsarchitektin ihren ganz persönlichen Staudentraum verwirklicht. Die üppige Blumenpracht und der mediterrane Hauch seien eine Reminiszenz an die Sommer ihrer Kindheit, die sie im Garten ihrer Großmutter in Slowenien verbracht habe. “Dort gab es, wie heute auch bei mir, Palmen und Feigen und viele schönfarbige exotische Blumen”, erinnert sich die gebürtige Hamburgerin. Sie habe sich gewissermaßen eine kleine Adriaküste am Rande von Merscheid erschaffen. Und das, erzählt sie, habe zunächst einmal jede Menge Planung erfordert: “Man plant als Staudengärtner genau, wie die Pflanzen wachsen, wie ihre Farben in welchem Monat sind, und wie sie sich in den Farbtönen, aber auch in den Formen kombinieren lassen. Mein Garten sieht zwar wildhaft aus, ist jedoch bis ins kleinste Detail durchgeplant.”

Dementsprechend aufwendig ist die Pflege: Mehrere Stunden verbringt Angela Ernst jeden Tag in ihrem Garten, der bis zum Frost durchblüht. “Da wird gejätet, bis der Arzt kommt”, sagt sie und lacht. Bei ihrer Blumenwiese indes lässt sie die Natur machen. “Ich rupfe das Gras raus, im November schneide ich alles runter.” Viele der Samen ihrer Blumenwiese hat Ernst von Reisen mitgebracht, längst macht sie keinen Urlaub mehr ohne Spaten. Die Vielfalt der Pflanzen und die bunte, duftende Blütenpracht wissen vor allem die tierischen Garten-Besucher zu schätzen: Bienen, Hummeln und etliche Schmetterlinge, darunter auch seltene Arten wie das Taubenschwänzchen, tummeln sich im Grün. Rund 20 Kröten leben außerdem in der Wiese, wandern zwischen dem Schatten der Blumen und dem Schatten der großblättrigen Pflanzen am Hang, im Sommer stellt Angela Ernst ihnen kleine Näpfchen zum Baden hin.

Immer wieder hört die Merscheiderin, dass ein solcher Garten doch viel zu viel Arbeit macht. “Aber gärtnern ist mein Hobby, ich liebe das einfach”, sagt Angela Ernst. Und jeden Tag wird sie für die Arbeit, die ihr Staudentraum auf 450 Quadratmetern macht, entschädigt: Mit dem Blick in ein blühend-buntes Paradies – und mit jenen Stunden am Abend und in der Nacht, wenn es um sie herum ganz still wird und sie einfach nur dasitzt, beobachtet und lauscht.